Interview mit Familie Al-Bakari

Familie Al-Bakari

Mutter Eman und Tochter Tara kamen im Herbst 2015 nach Österreich und leben seit April 2016 in Katzelsdorf. Vater Malath durfte im Juli 2017 zu seiner Familie nachkommen. Das Gespräch führte Christoph Schwertner.

Wie ist das Leben für euch hier in Österreich, in Katzelsdorf?
Eman: Für mich bedeutet das Leben in Katzelsdorf Frieden. Ich habe hier sehr nette Freunde gewonnen.
Tara: Ich bin sehr froh, dass ich nach Katzelsdorf gekommen bin und hier das Gymnasium besuchen darf. Ich fühle mich wohl hier!
Malath: Das Leben in Österreich gefällt mir. Die Leute in Katzelsdorf geben mir das Gefühl, dass ich hier zu Hause bin. Ich werde nicht wie ein Fremder behandelt.

Wie kommt ihr mit unserer Kultur zurecht?
Tara: Sehr gut. Am Anfang war es ungewohnt, dass in der Nacht und am Sonntag keine Geschäfte offen sind, da man im Irak immer einkaufen kann. Hier ist es kein Problem, dass ich kein Schweinefleisch esse. Meine Mitschüler machen mich sogar darauf aufmerksam, wo Schweinefleisch enthalten ist!
Eman: Ich habe gelernt, dass man Termine einhalten muss. Das gibt es nicht in meiner Heimat. Aber das ist sehr positiv für mich.
Malath: Das Recht ist in Österreich sehr wichtig. Das ist gut und bringt Sicherheit.

Welche Bedeutung hat Religion für euch, und wie empfindet ihr das Zusammenleben verschiedener Religionen hier?
Tara: Ich werde nicht anders behandelt, weil ich Muslima bin. Neben dem islamischen Religionsunterricht nehme ich auch oft am katholischen Religionsunterricht teil und singe mit. Das gefällt mir, und auch die Professorin freut sich, wenn ich dabei bin.
Eman: Es war eine sehr schöne Erfahrung, bei einem Chorprojekt gemeinsam mit vielen Christen in der Kirche zu singen. Sie haben mich angenommen, meine Religion war kein Problem. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich in einer Moschee.
Malath: Es gefällt mir sehr, dass ich hier in eine Moschee gehen und beten kann. Im Irak war das sehr gefährlich, da viele Bombensanschläge auf sunnitische Moscheen verübt werden. Im Irak gab es viele Christen, die sehr geschätzt wurden und mit denen wir gut zusammenlebten. Probleme gibt es dort hauptsächlich zwischen Schiiten und Sunniten.

Was sind eure Pläne für die Zukunft, was ist euer größter Wunsch?
Tara: Ich möchte Medizin studieren und Ärztin werden. Ich hoffe, dass ich die Matura schaffe und dann wirklich studieren darf.
Eman: Mein Ziel ist es, jetzt eine Arbeit zu finden. Das ist sehr wichtig für mich. Für Österreich wünsche ich mir, dass hier immer Friede herrscht. Ein Traum von mir ist, einmal nach Paris zu fahren und ein Foto vor dem Eiffelturm zu machen.
Malath: Ich möchte Deutsch lernen und eine Arbeit finden. Ich wünsche mir, hier in Sicherheit leben zu dürfen und eines Tages die Staatsbürgerschaft zu bekommen.